Warnsignale für Essstörungen

 

aus: Fritzsche, K., & Wetzel-Richter, D. (2020). Essstörungen. In Basiswissen Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (S. 153-165). Springer, Berlin, Heidelberg.

 

Bundesministerium für Gesundheit (2017). Essstörungen: Was kann ich tun?

 

 

Warnsignale für Magersucht (Anorexia nervosa)

 

Die Warnsignale für eine Magersucht können vielfältig sein. Besonders auffällig ist, dass sich Betroffene stark mit ihrem Gewicht auseinandersetzen. Es besteht ein ausgeprägtes Interesse an Diäten, das Wunschgewicht ist absurd niedrig – dazu kommt eine übertriebene Furcht vor dem Dickwerden.

 

Das Reduzieren des eigenen Körpergewichts, was auch mit starken Gewichtsschwankungen einhergehen kann, wird durch rigide Ernährungsregeln, ständiges Kalorienzählen und eine eingeschränkte Nahrungsauswahl erreicht. Es wird versucht, ein Hungergefühl zu vermeiden, beispielsweise durch das Trinken von viel Wasser.

 

Betroffene zeigen auch oft einen gesteigerten Bewegungsdrang und treiben exzessiv Sport. Diese Maßnahmen gehen oft mit einer verzerrten Körperwahrnehmung einher – die Betroffenen fühlen sich dick, obwohl sie von außen als dünn oder sogar schon zu dünn wahrgenommen werden.

 

Weitere Anzeichen sind:

 

  • Zyklusstörungen
  • Beim Purging-Typus: schorfige Hand- und Fingerrücken
  • BMI unter 17.5
  • Missverhältnis zwischen Körpergewicht und Aktivitätsniveau
  • Kaum psychische Beschwerden, wenig emotionale Äußerungen
  • Perfektionismus, zwanghafte Tagesplanung

 

 

Warnsignale für Ess-Brechsucht (Bulimia nervosa)

 

Das Schwierige an der Bulimie ist, dass diese Essstörung sich gut verheimlichen lässt, da das Gewicht der Betroffenen um den Normalbereich schwankt und es, im Gegensatz zur Magersucht, nicht zur starken Abmagerung kommt. Zudem wird diese Erkrankung sehr oft aus Scham geheim gehalten.

 

Einige Warnsignale bei der Bulimie sind ähnlich zur Anorexie. Betroffene schränken oft ihre Nahrungsauswahl ein, haben eine krankhafte Angst davor, dick zu werden und kontrollieren dementsprechend ihr Gewicht fast täglich. Auch bei der Bulimie kann es zu Gewichtsschwankungen kommen.

 

Genau wie von Magersucht betroffene Personen leiden Bulimiker*innen an einer verzerrten Körperwahrnehmung.

 

Betroffene haben regelmäßige Essattacken, bei denen sie innerhalb kurzer Zeit unkontrolliert große Mengen an Nahrungsmitteln konsumieren. Um die Kalorienzufuhr zu kompensieren, kommt es zu Erbrechen, einem Missbrauch von Appetitzüglern oder Abführmittel. Manche Betroffene treiben auch exzessiv Sport.

 

Ein häufiges Warnzeichen sind Schwielen an den Fingern, die durch das selbstinduzierte Erbrechen entstehen.

 

Weitere Anzeichen, die jedoch schwieriger festzustellen sind, sind:

 

  • Elektrolytveränderungen
  • Karies

 

 

Warnsignale für Binge-Eating-Störung

 

Eine Binge Eating Störung umfasst Essattacken, bei denen innerhalb kürzester Zeit ein unkontrollierter Verzehr großer Mengen an Nahrung stattfindet. Dementsprechend könnte das Verschwinden großer Mengen Nahrung bzw. viele leere Verpackungen ein Hinweis darauf sein, dass eine Person im Umfeld an einer Binge Eating Störung leidet.

 

Wie auch bei Magersucht und Bulimie machen sich Personen mit einer Binge Eating Störung extreme Sorgen um ihr Körpergewicht und versuchen, die hohe Kalorienzufuhr mithilfe von Diäten oder durch neue Ernährungsgewohnheiten zu kontrollieren.

 

Bei Betroffenen kann es zu starken Gewichtsschwankungen, aber auch zu Gewichtszunahme und Übergewicht kommen. 

 

Weitere Hinweise auf eine Binge Eating Störung können sein:

 

  • Angst, in der Öffentlichkeit oder in Gegenwart anderer Menschen zu essen
  • Stehlen und Horten von Lebensmitteln an ungewöhnlichen Orten
  • Rückzug von Freunden oder Aktivitäten
  • Ekel-, Scham- und Schuldgefühle aufgrund der Menge an verzehrten Lebensmitteln

 

Quelle