Internationaler Kongress Essstörungen 2022 & European Chapter der Academy for Eating Disorders Meeting, 21.-22.10.2022

 

Liebe Teilnehmende und Vortragende am Kongress Essstörungen 2022!

 

Es freut uns sehr, dass Sie alle zahlreich am Kongress teilgenommen haben und wir hoffen, dass wir Ihnen ein spannendes und informatives Wochenende mit vielen neuen Erkenntnissen im Bereich Essstörungen bieten konnten!

 

Um unseren Kongress Essstörungen weiterzuentwickeln und Sie im nächsten Jahr mit noch besseren Angeboten begrüßen zu dürfen, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie unsere Online-Evaluation ausfüllen würden.

 

Zudem finden Sie hier auch noch das Formular zur Abstimmung des besten Vortrags/Workshops, welches Sie uns bitte bis zum 10. November zukommen lassen, damit wir zeitnah zum Kongress den:die Gewinner:in ermitteln können. Der:Dem Gewinner:in winkt eine Gratiskarte am 30. Kongress Essstörungen von 20.-21. Oktober 2023.

 

Alle Vorträge/Workshops, von denen wir die Zustimmung zur Veröffentlichung bekommen haben (oder noch bekommen werden), werden von uns im Laufe der nächsten Zeit auf einer verschlüsselten Homepage für alle Teilnehmer:innen am Kongress 2022 zur Verfügung gestellt. Informationen hierzu folgen auf unserer Homepage bzw. per E-Mail.

 

Unser Kongress Essstörungen 2022 wurde beim Berufsverband Österreichischer Psycholog:innen (BÖP) mit 14 Fortbildungseinheiten approbiert. Weiters haben der Berufsverband Österreichischer Psychotherapeut:innen (ÖBVP) sowie die Österreichische Ärztekammer (DFP) den Kongress mit 18 (ÖBVP) bzw. 17 Punkten (DFP) freigegeben.

 

Falls Sie sich Fortbildungspunkte eintragen lassen möchten, wenden Sie sich bitte mit Ihren vollständigen Daten inklusive Ihrer Mitgliedsnummer per E-Mail an uns. Wir werden die Eintragung Ihrer Punkte gerne veranlassen!

 

Gerne können Sie uns zu allen offenen Punkten per E-Mail kontaktieren, bitte geben Sie uns mit der Beantwortung Ihrer Fragen etwas Zeit, da wir mit der ordentlichen Nachbereitung des Kongresses Essstörungen beschäftigt sind.

 

Das Organisationskomitee des Verein Netzwerk Essstörungen

 

Netzwerk Essstörungen
Templstrasse 22
A-6020 Innsbruck, Österreich

T +43-512-57 60 26
info@netzwerk-essstoerungen.at
www.netzwerk-essstoerungen.at

 

Kongressorganisation

Angelika Appelt MMSc, Daniel Purtscheller MSc und Katrin Preuner MSc BSc

 

Wissenschaftliche Leitung

Univ.-Prof. Dr. Gerhard Schüßler
Medizinische Universität Innsbruck

 

Wissenschaftliche Co-Leitung

Univ. Prof. Dr. Ursula Bailer
Univ. of California, San Diego, USA; Vizepräsidentin der ÖGES; Past president der AED

Univ. Prof. Dr. med. Andreas Karwautz
Medizinische Universität Wien; Vizepräsident der ÖGES

 

In Zusammenarbeit mit:

Österreichische Gesellschaft für Essstörungen (ÖGES)

 

 


PROGRAMM-HIGHLIGHTS

 

 


Internationaler Kongress Essstörungen

 

KEYNOTE LECTURES

Prof. Dr. med. Martina de Zwaan

Welche Rolle spielt die psychische und körperliche Komorbidität in der Behandlung der Essstörungen

Komorbide psychische Störungen sind bei Patientinnen und Patienten die Regel und nicht die Ausnahme. Depression, Angst- und Zangsstörungen, ADHS und Persönlichkeitsstörungen sind häufig, ebenso selbstverletzendes Verhalten und frühe traumatische Erfahrungen. Oft tritt die komorbide Störung schon vor Beginn der Essstörung auf (z. B. Zwangsstörungen, soziale Phobie). In der Therapie müssen diese Störungen berücksichtigt werden und der Therapieplan individuell an das klinische Gesamtbild angepasst werden.

Auch körperliche Erkrankungen sind bei Patientinen und Patienten mit Essstörungen zu berücksichtigen. Exemplarisch sei der Zusammenhang mit Diabetes Typ 1 (Beginn meist vor der Essstörung) und anderen Autoimmunerkrankungen erwähnt. Patientinnen mit Diabetes Typ 1, die auch an einer Essstörung leiden, weisen einen signifikant schlechtern Verlauf des Typ 1 Diabetes auf. Bei der Binge Eating Störung muss aufgrund des häufig assoziierten Übergewichts auch die mögliche Entwicklung eines Diabetes Typ 2 beachtet werden

 

Zur Person:

Prof Dr. med. Martina de Zwaan ist die Direktorin der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover. Sie promovierte 1986 zum Doktor der gesamten Heilkunde an der Universität Wien, absolvierte die Weiterbildung zur Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie sowie in kognitiver und Verhaltenstherapie in Wien. Ihren Werdegang eröffnete sie als Oberärztin am Psychosomatischen Krankenhaus Bad Bramstedt, um anschließend 1995 die Venia docendi für Psychiatrie an der Universität Wien zum Thema Binge-Eating-Störung zu erlangen. Danach wechselte sie bis 2003 als Oberärztin an die Psychiatrische Universitätsklinik Wien und bekleidete dazwischen eine Gastprofessur an der Division of Psychiatry and Behavioral Sciences, Department of Neuroscience, UND School of Medicine and Health Sciences in Fargo (North Dakota). Des weiteren leitete sie von 2003 bis 2011 die Psychosomatische und Psychotherapeutische Abteilung der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg. Ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen bei Essstörungen und Adipositas, Psychische Aspekte bei Adipositaschirurgie, Psychosomatik in der Transplantationsmedizin und Entwicklung und Validierung von Patient Reported Outcome Measures (PROMs)

 

Dr. Helga Simchen

Essstörungen bei AD(H)S

AD(H)S als eine genetisch und neurobiologisch bedingte Beeinträchtigung der Informationsverarbeitung beeinflusst alle kognitiven Fähigkeiten, die Gefühlssteuerung, die Verhaltensbildung und die Motorik. Die Ursache ist eine Unterfunktion verschiedener Hirnbereiche, sowie ein Botenstoffmangel.

Die AD(H)S-bedingte Stressintoleranz kann unter besonderen Bedingungen das Entstehen unterschiedlicher Essstörungen begünstigen, deren schwerste Form die Magersucht ist. Hierbei richten die Betroffenen ihr Denken und Handeln auf ein für sie erreichbares Ziel: das Abnehmen. Dadurch verbessern sie ihr AD(H)S-bedingtes und beeinträchtigtes Selbstwertgefühl und ihre psychische Stabilität. Deshalb wollen und können sie dieses erreichte Ziel nur schwer wieder aufgeben, es wurde zum Teil ihrer Persönlichkeit.

Stress, starke Blutzuckerschwankungen, Impulssteuerungsschwäche und Automatisierung des Brechvorganges bilden die Psychodynamik der AD(H)S-bedingten Bulimie. Erbrechen zur Verhütung einer Gewichtszunahme, wenn es ständig wiederholt wird, kann sich automatisieren. Dient Essen dem Stressabbau und der Belohnung, so kann Essen beim AD(H)S zur Esssucht führen, weil Essen dann das Belohnungssystem aktiviert.

Wie gestaltet sich die Behandlung dieser drei sehr unterschiedlichen AD(H)S-bedingten Essstörungen und was sind die therapeutischen Besonderheiten?

 

Zur Person:

Dr. Helga Simchen ist Kinder- und Jugendärztin mit der Fachrichtung Neurologie und Psychiatrie im Kinder- und Jugendalter, Verhaltenstherapeutin, tiefenpsychologische Psychotherapie und Familientherapie arbeitete zunächst als Oberärztin in einer Kinderklinik, wechselte dann als Oberärztin an die Medizinische Akademie Magdeburg mit dem Lehrauftrag für Neurologie und Psychiatrie im Kindes- und Jugendalter sowie Rehabilitationspädagogik. Schwerpunkt ihrer wissenschaftlichen Arbeit waren das Hyperkinetische Syndrom und die Lese-Rechtschreibschwäche, hierbei arbeitete Sie eng mit dem Leibnitz-Institut, früher Hirnforschungs-Institut, zusammen. 1995 eröffnete Sie in Mainz ihre Praxis mit dem Schwerpunkt AD(H)S, Lern- und Verhaltensstörungen. Die Erfahrungen, die Sie in ihrer Praxis mit über 1000 Patienten gemacht hat, schrieb sie in mittlerweile 7 Büchern zu AD(H)S und seinen Komorbiditäten nieder.

 

Ricardo Dalle Grave M. D.

Kognitive Verhaltenstherapie für Jugendliche mit Essstörungen: Eine effektive Alternative zur familienbasierten Behandlung

Enhanced Cognitive Behaviour Therapy (CBT-E), originally designed for the treatment of adult patients with eating disorders, has demonstrated efficacy in adults with anorexia nervosa (AN) and bulimia nervosa (BN). CBT-E has recently been adapted for use with adolescents with eating disorders, and its effectiveness has been evaluated in cohort studies of patients aged between 13 and 19 years. Two studies included adolescents with severe AN, and one was of adolescents who were not underweight with other eating disorders. The promising results obtained by these studies led the National Institute for Health and Clinical Excellence to recommend CBT-E for adolescence as an alternative to Family Based Treatment (FBT) both for AN and BN. A recent trial has also shown that CBT-E achieved a similar outcome of FBT at 6- and 12-month. CBT-E has several advantages. It is acceptable to young people, and its collaborative nature is well suited to ambivalent young patients who may be particularly concerned about control issues. The transdiagnostic scope of the treatment is an advantage as it can treat the full range of disorders that occur in adolescent patients. Three main challenges need to be addressed in the future:

  1. To establish further the utility of CBT-E (e.g., clarifying the relative effectiveness of CBT-E and FBT in the treatment of younger patients and identifying moderators of the effects of CBT-E)
  2. To increase the effectiveness of CBT-E (e.g., to identifying the mediators of the effects of CBT-E to make the treatment more effective and efficient)
  3. To maximize the availability of CBT-E using modern technology (e.g., training more therapists using digital training and making CBT-E more scalable implementing digital treatment).

 

Zur Person:

Als Direktor des Department of Eating and Weight Disorders im Villa Garda Hospital in Verona in Italien hat Ricardo mit Christopher G. Fairburn von der Oxford University ein eigenes Behandlungsverfahren für stationär behandelte PatientInnen für Essstörungen entwickelt. Es beinhaltet ein für Jugendliche adaptiertes Programm, wobei sein Hauptfokus in der Forschung ist es die CBT-E bei der Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen mit Essstörungen liegt, die stark untergewichtig sind. Seine Projekte umfassen Präventionsarbeit für Essstörungen und Adipositas. Er wird regelmäßig für die Leitung von öffentlichen Workshops und Seminaren für klinische PsychologInnen, PsychiaterInnen, EndokrinologInnen, ChirurgInnen, ErnährungswissenschaftlerInnen und anderen GesundheitsexpertInnen über die Beschaffenheit und Behandlung von Adipositas und Essstörungen sowohl in Italien als auch auf der ganzen Welt. Dr. Dalle Grave ist Mitglied der CBT-E training group und wurde von Expertscape als Experte für Anorexia Nervosa ausgezeichnet. Zudem ist er Editor der CBT-E Website und Direktor des Italian Advanced Training Courses zur Behandlung und Prävention von Essstörungen und Adipositas, der KlinikärztInnen in der Kognitiven Verhaltenstherapie für Essstörungen und Adipositas ausbilden. Außerdem bietet er Expterten-CBT-E Supervision für klinische Dienste in Europa, den USA, Australien und im mittleren Osten. Er ist Fellow der Academy of Eating Disorders und ein Mitglied der Redaktionsleitung von sämtlichen Journals über Essstörungen.

 

Carine El Khazen
Essstörungen im Nahen Osten und in der nah Ost Bevölkerung

For decades, eating disorders were seen as a mainly Western phenomenon with scarce research in other parts of the world. Over time, this has changed with clinicians and researchers alike acknowledging that eating disorders can affect anyone across the world. Recently, awareness about eating disorders has become more common in the Middle East, and more research is being conducted on this topic in the region. However, there are still many challenges to be faced by those who suffer from eating disorders including getting the proper diagnosis, treatment, and follow up.

Today, though there are no official prevalence numbers, preliminary surveys of cases of eating disorders in the Middle East, has shown that the rates in the Middle East are rising and seem to be twice as high as in the western world. Many possible factors could be contributing to the rise of these numbers, notably the turbulent geo-political situation which will be described briefly to give context as well as the socio-cultural changes due to the region’s westernization. The purpose of this presentation is to present the region, the current data available regarding the prevalence of eating disorders, then discuss how the Middle-East’s instability could explain the recent rise in the rates of these disorders. We will also present the region’s situation in terms of specialized treatments and level of awareness as well as the challenges encountered as eating disorders practitioners.

We will also present and discuss the special considerations to bare in mind when treating a Middle-Eastern population and how to tailor treatments in order to be culturally sensitive. As a conclusion, we will discuss the region’s needs in order to be able to provide better treatments to the sufferers in this part of the world.

 

Zur Person:

Carine el Khazen ist klinische Psychologin. Sie hat einen Master-Abschluss in klinischer und psychopathologischer Psychologie (USJ), einen Postgraduierten-Abschluss (DESS) in klinischer und psychopathologischer Psychologie (Universität Sorbonne) und ein Diplom in profunden Studien (DEA) in klinischer Psychopathologie (Universität Jussieu). Carine arbeitet seit 2004 als klinische Psychologin in Dubai, Vereinigte Arabische Emirate. Seit 2011 arbeitet sie am American Center for Psychiatry and Neurology (ACPN). Als Spezialistin für Ess- und Gewichtsstörungen hat sie das einzige spezialisierte multidisziplinäre ambulante Programm für Ess- und Gewichtsstörungen in der Region aufgebaut und leitet es. Carine ist CBT-E-Therapeutin, Trainerin und Supervisorin. Das Programm ist ein CBT-E-Kompetenzzentrum. Gemeinsam mit Dr. Riccardo Dalle Grave hat sie das erste Handbuch für Eltern von Jugendlichen, die mit CBT-E behandelt werden: “Cognitive Behaviour Therapy For Eating Disorders in Young People” (Kognitive Verhaltenstherapie für Essstörungen bei Jugendlichen), ein Leitfaden für Eltern, veröffentlicht bei Routledge Press. Carine ist auch die klinische Leiterin des psychologischen Dienstes des Zentrums. Carine ist Mitglied der Academy of Eating Disorders (AED) und stellvertretende Vorsitzende der Nichtregierungsorganisation MEEDA (Middle East Eating Disorders Association), die die AED im Nahen Osten vertritt. Sie beaufsichtigt und leitet alle täglichen Aktivitäten der Vereinigung, die sich der Bewusstseinsbildung, der Unterstützung von Betroffenen und der Schulung der allgemeinen Öffentlichkeit und von Fachleuten zum Thema Ess- und Gewichtsstörungen widmet.

SYMPOSIEN

 

SYMPOSIUM I

 

Innovative Interventionen für Jugendliche und junge Erwachsene mit Essstörungen und deren Eltern

Vorsitz: Assoc.-Prof. PD Mag. Dr. Gudrun Wagner

 

Symposiums-Abstracts (4 Beiträge):

Trotz oftmals sehr intensiver medizinischer und therapeutischer Maßnahmen zählen Essstörungen zu den am schwersten behandelbaren psychischen Erkrankungen mit einer langen Krankheitsdauer und hoher Rückfallgefahr. Innovative Interventionen, die auf die Bedürfnisse der Betroffenen abgestimmt sind und auch das familiäre Umfeld miteinbeziehen, sind daher gefragt, um das Behandlungs-Outcome längerfristig positiv zu beeinflussen. Dieses Symposium beschäftigt sich daher mit neuen Therapieansätzen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Essstörungen, sowie mit Interventionen für Eltern von Betroffenen. 

Tanja Wittek, Wien stellt erstmals Ergebnisse des ambulanten Therapieprogramm „MANTRa“ für Jugendliche und junge Erwachsene mit Magersucht vor und diskutiert dessen Wirksamkeit und Akzeptanz im Vergleich zu anderen Therapieansätzen. Julia Philipp, Wienberichtet neue Daten zur Akzeptanz und Zufriedenheit des „SUCCEAT“-Elterntrainings-Programms und beleuchtet dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede verschiedener Implementierungsformen (Face-to-Face Workshops, Online-Module, Videokonferenzen). Michael Zeiler, Wien diskutiert insbesondere Belastungsfaktoren der Väter von Jugendlichen mit Anorexia nervosa und präsentiert Ergebnisse aus einer psychologischen Netzwerkanalyse zu zentralen Belastungsfaktoren von Müttern und Vätern, die in Elterntrainings einen wichtigsten Stellenwert einnehmen sollten. Hartmut Imgart, Bad Wildungen stellt den Einsatz von EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) bei PatientInnen mit Essstörungen zur Aufdeckung und Behandlung von (potenziell) traumatischen Erfahrungen vor und präsentiert Daten zur Wirksamkeit dieser Methode.

 

  1. Wie wirksam ist MANTRa im Vergleich zu traditionellen Therapieansätzen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Anorexia nervosa

Tanja Wittek et al.

 

Das MANTRa Therapieprogramm (Maudsley Model of Anorexia Nervosa Treatment for Adolescents and young Adults) ist ein spezialisiertes Behandlungskonzept zur Behandlung der Anorexia nervosa im Kindes- und Jugendalter. Das Ziel dieser Studie war die Erforschung der Effektivität des MANTRa Programms im Vergleich zu etablierten, psychotherapeutischen Methoden. Insgesamt nahmen 45 weibliche Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 13 bis 21 Jahren am MANTRa Therapieprogramm teil. Sie wurden mit 47 Teilnehmerinnen verglichen, die eine in Österreich anerkannte Standardtherapie erhielten. Zur Erhebung der Essstörungs- und komorbiden Symptomatik wurde zu 4 Zeitpunkten (zu Beginn, nach 6, nach 12 und nach 18 Monaten) der BMI erhoben, ein Experteninterview (EDE) durchgeführt sowie das Eating Disorder Inventory (EDI-2), das Beck-Depressionsinventar sowie das Inventar zur Erfassung der Lebensqualität bei Kindern und Jugendlichen (ILK) vorgegeben. Zusätzlich wurde die therapeutische Beziehung anhand des Fragebogens zur Therapeutischen Beziehung für Kinder und Jugendliche (FTB-KJ) während der Therapie eingeschätzt. Die statistische Analyse zeigt eine signifikante Verbesserung der Essstörungssymptomatik (p<.001) und Depressivität (p=.039) sowie eine Zunahme an Lebensqualität (p=.024) in der MANTRa Gruppe. Die Effekte lagen im mittleren bis hohen Bereich. Im Vergleich zur Kontrollgruppe lässt sich eine deutliche Tendenz erkennen, dass MANTRa den derzeit etablierten Standardbehandlungen im Hinblick auf BMI-Zuwachs und Reduzierung der Essstörungssymptomatik leicht überlegen ist – vor allem in Bezug auf die längerfristige Wirksamkeit (p=.013). Dafür ausschlaggebend könnte die in der MANTRa Gruppe als besser eingeschätzte therapeutische Beziehung sein.  Zusammenfassend liegt mit MANTRa ein erfolgversprechender therapeutischer Ansatz vor, der die Behandlung von schwer erkrankten Jugendlichen mit einer Anorexie zukünftig verbessern kann. 

 

  1. Workshop, Online oder Videokonferenzen? Akzeptanz und Zufriedenheit von unterschiedlichen Darbietungsformen für SUCCEAT (Programm zur Unterstützung der Eltern von Jugendlichen mit Anorexia nervosa)

Julia Philipp et al.

 

Das Programm „SUCCEAT“ hat das Ziel, Belastungen der Eltern von Jugendlichen mit Magersucht zu verringern und die familiäre Kommunikation zu verbessern. Das Programm wurde Face-to-Face (Workshops), über eine Webseite (online) oder während der COVID-19 Pandemie über Videokonferenz angeboten. Es wurde bereits gezeigt, dass sich SUCCEAT unabhängig von der Darbietungsform (Workshop vs. Online) nachhaltig positiv auf das Outcome der Eltern und Jugendlichen auswirkt. Für die Einbettung in die Routineversorgung ist es zudem sinnvoll, Unterschiede bezüglich Akzeptanz und Zufriedenheit zu beleuchten. Die Adhärenz war für die Workshop- und Online Versionen vergleichbar. Eltern der Workshop-Gruppe hatten häufiger Kontakt mit anderen Eltern, sowie den Coaches. In beiden Gruppen nutzen über 90% die Materialien auch nach einem Jahr. Übungen wurden in der Workshop-Gruppe häufiger gemacht als in der Online-Gruppe (95% vs. 60%). Sehr zufrieden mit SUCCEAT waren 98% der Eltern im Workshop und 82% der Eltern online. Die Inhalte wurden im Workshop verständlicher und hilfreicher bewertet. Nur 3% der Eltern der Workshop-Gruppe, aber 30% der Online-Gruppe, hätten die andere Darbietungsform bevorzugt. Das unter der Pandemie angebotene Videokonferenz-Format beurteilen rund 90% der Eltern als eher oder sehr gut, wobei ca. die Hälfte Face-to-Face Workshops präferiert hätten. Rund 80% der Eltern meinten, dass auch die praktischen Übungen im Videokonferenzformat eher oder sehr gut umsetzt werden konnten. Die Interventionseffekte waren mit jenen des Workshop- und Online-Formats vergleichbar. Diese aktuellen Daten zeigen, dass die Effekte von „SUCCEAT“ weitgehend unabhängig von der Implementierungsmodalität sind. Unterschiede in der Akzeptanz und Zufriedenheit der Darbietungsformate sollten allerdings beachtet werden.

 

  1. Und was ist mit den Vätern? Elterliche Belastung und Effekte eines Angehörigenprogramms bei Jugendlichen mit Anorexia nervosa

Michael Zeiler et al.

 

Seit jeher sind Väter in der Forschung zur Wirksamkeit von Angehörigenprogrammen bei psychischen Erkrankungen unterrepräsentiert, das gilt im Besonderen auch für den Bereich der Essstörungen. Väter nehmen tendenziell weniger häufig an solchen Programmen teil oder werden weniger oft in Evaluierungsstudien einbezogen. Es ist aber evident, dass die Qualität der Beziehung des Kindes mit beiden Elternteilen eine wesentliche Rolle in der Aufrechterhaltung bzw. Genesung spielt. In den letzten Jahren konnten auch vermehrt Väter dazu motiviert werden am 8-wöchigen Angehörigentraining für Eltern von Jugendlichen mit Anorexia Nervosa („SUCCEAT“) an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Medizinischen Universität Wien teilzunehmen. Bis dato haben rund 300 Elternteile „SUCCEAT“ absolviert, davon ca. 100 Väter. Mütter berichten über eine signifikant höhere psychische Belastung (inkl. Depressivität, Ängstlichkeit, essstörungsspezifische Belastung), sowie über eine höhere emotionale Involviertheit als Väter. Väter hingegen schätzten die eigenen Fähigkeiten hinsichtlich der Selbstfürsorge oder Akzeptanz der Erkrankung des Kindes signifikant besser ein. Die vorliegenden Daten sprechen dafür, dass sowohl Mütter als auch Väter gleichermaßen von der Angehörigenintervention im Sinne einer Steigerung der Fähigkeiten im Umgang mit der Erkrankung des Kindes und einer Reduzierung von Belastung profitieren. Erste Erkenntnisse aus einer psychologischen Netzwerkanalyse von verschiedenen Belastungsfaktoren bei Müttern und Vätern weisen darauf hin, dass insbesondere High-Expressed Emotion (Kritik, emotionale Überinvolviertheit) und Aspekte der Selbstfürsorge (bei Vätern) und Depressivität (bei Müttern) zentrale Faktoren darstellen, auf die ein Fokus in der Angehörigenarbeit gelegt werden sollte.

 

  1. Der Einsatz von EMDR bei Patient:innen mit Essstörungen

Hartmut Imgart et al.

 

Die Wirksamkeit von EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) in der Behandlung einer PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) ist nachgewiesen. Die Anwendung von EMDR bei anderen psychischen Störungen ist zwar verbreitet, aber mit noch geringer Evidenz. Die Anwendungen des EMDR bei Essstörungen ist bisher kaum publiziert worden. Aus theoretischen Erwägungen könnte EMDR in der Behandlung von Essstörungen hilfreich sein. Da Probleme mit der Emotionsregulation ein aufrechterhaltender Faktor für Essstörungen sind, könnte EMDR als stark emotionszentriertes Verfahren die derzeitige Behandlungslücke in diesem Bereich schließen. Nach unserer Erfahrung unterscheiden sich jedoch die Behandlung von EMDR von Patienten mit einer Anorexia nervosa grundsätzlich von der Behandlung von Patienten mit einer PTBS. Wir haben daher ein eigenes EMDR-Protokoll für die Behandlung von Essstörungen entwickelt (EMDR-ED). Dieses Protokoll wird vorgestellt und erläutert und ist die Grundlage für eine geplante Anwendungsstudie.

 

 

SYMPOSIUM II

 

Diagnostik und Therapie der Anorexia nervosa im Jugendalter – neue Ergebnisse

Vorsitz: Univ.-Prof. Dr. Andreas Karwautz

 

Symposiums-Abstracts (4 Beiträge):

Anorexia nervosa ist eine vielschichtige psychische Erkrankung, bei der diverse somatische, psychologische und persönlichkeitsbezogene Aspekte in der Diagnostik und Therapie berücksichtigt werden müssen. Dieses Symposium beschäftigt sich daher im Besonderen mit Aspekten der Persönlichkeit und des Temperaments, sowie der gastrointestinalen Beschwerden bei Jugendlichen mit Magersucht und beleuchtet zudem die pharmakologische Behandlung mit Olanzapin.

Dunja Mairhofer, Wien berichtet neue Daten zu Temperaments- und Charakterfaktoren von PatientInnen mit Anorexia Nervosa und deren Eltern und diskutiert deren Einfluss auf den Behandlungserfolg. Clarissa Laczkovics, Wien stellt rezente epidemiologische Daten zu komorbiden Persönlichkeitsstörungen bei Jugendlichen mit Magersucht vor und diskutiert Zusammenhänge mit der Essstörungssymptomatik. Andrea Schneider, Wien beleuchtet die Art und das Ausmaß von gastrointestinalen Symptomen bei stationär aufgenommenen Patientinnen mit Anorexia nervosa, präsentiert neue Daten zur Veränderung dieser Symptomatik im Therapieverlauf und gibt einen Ausblick zu einer möglichen vielversprechenden Behandlungsoption mittels Probiotika. Andreas Karwautz berichtet rezente Daten zum Einsatz von Olanzapin bei Magersucht im Jugendalter und diskutiert dabei Aspekte der Sicherheit und Wirksamkeit.

 

  1. Temperaments- und Charakterprofile von Jugendlichen mit Anorexia nervosa und deren Eltern

Dunja Mairhofer et al.

 

Kindliche und elterliche Persönlichkeitszüge werden in der Literatur als mögliche Faktoren für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Essstörungen diskutiert. Ziel dieser Studie war es, Persönlichkeitszüge von Jugendlichen mit Anorexia nervosa und deren Eltern zu identifizieren und Zusammenhänge mit der Schwere der Essstörungspathologie und dem Behandlungserfolg zu untersuchen. Bei 100 Jugendlichen mit Anorexia nervosa (11-17 Jahre, 88% restriktiver Subtyp) in stationärer Behandlung sowie 85 Müttern und 64 Vätern wurden verschiedene Temperaments- und Charaktereigenschaften erhoben (TCI, J-TCI). Die Essstörungspathologie des Kindes wurde mit dem Eating Disorder Examination Interview, den EDE-Q und EDI-2 Fragebögen sowie mit dem BMI erfasst. Die Patientinnen zeigten signifikant höhere Werte in den Faktoren Schadensvermeidung, Kooperativität und Beharrungsvermögen sowie niedrigere Werte beim Neugierstreben und der Selbstlenkungsfähigkeit. Ein mittels Custeranalyse identifiziertes “ungünstiges” Persönlichkeitsprofil war mit einer höheren Schweregrad der Essstörung sowie mit einer längeren stationären Aufenthaltsdauer assoziiert. Mütter zeigten eine signifikant niedrigeres Neugierstreben, Väter eine erhöhte Selbstlenkungsfähigkeit und niedere Kooperativität und Selbsttranstendenz. Korrelationen zwischen kindlichen und elterlichen Persönlichkeitszügen waren gering, jedoch höher zwischen Kind und Mutter als zwischen Kind und Vater. Es konnten nur schwache Zusammenhänge zwischen den elterlichen Temperaments- und Charakterfaktoren und der Essstörungspathologie des Kindes aufgezeigt werden. Eine profunde Persönlichkeitsdiagnostik bei Jugendlichen mit Anorexia nervosa kann einen Aufschluss über die Erkrankungsschwere und einen möglichen Behandlungsverlauf geben. Für Patientinnen mit einem „ungünstigen“ Persönlichkeitsprofil sind daher intensivere, an das Persönlichkeitsprofil adaptierte, therapeutische Maßnahmen notwendig, um das Risiko für einen chronischen Verlauf oder Rückfällen zu reduzieren.

 

  1. Komorbide Persönlichkeitsstörung bei jugendlichen Patientinnen mit Anorexia Nervosa

Clarissa Laczkovics et al.

 

Anorexia Nervosa ist eine schwerwiegende psychiatrische Erkrankung multifaktorieller Genese, die in vielen Fällen einen chronischen Verlauf zeigt. Ein erster Erkrankungsgipfel zeigt sich im Jugendalter. Als Risikofaktoren gelten dabei spezifische Persönlichkeitsmerkmale, wie zum Beispiel zwanghaft perfektionistische Züge, die auch als aufrechterhaltende Faktoren gelten. Welche Rolle eine komorbide Persönlichkeitsstörung für die Erkrankung spielt ist bei Jugendlichen noch kaum untersucht. Wir schlossen 73 jugendliche Patientinnen mit einer Anorexia Nervosa in die Studie ein. Mit allen Patientinnen wurde zusätzlich zur essstörungsspezifischen Diagnostik (Eating Disorder Inventory 2- EDI-2) ein Interview zur Diagnose der Persönlichkeitsstörung (International Personality Disorder Examination- IPDE) geführt. Es zeigte sich, dass fast ein Drittel (27,4%) der Patientinnen eine komorbide Persönlichkeitsstörung hatten. Diese Patientinnen zeigten schwerwiegendere Essstörungssymptome im Sinne eines höheren EDI-2 Total Scores. Insbesondere bezüglich der Untergruppen „Ineffektivität“, „Misstrauen“, „interozeptives Bewusstsein“, „Asketismus“ und „Impulsregulation“ zeigten sich höhere Werte bei Patientinnen mit Persönlichkeitsstörungen. Wir schlussfolgerten, dass Persönlichkeitsstörungen eine wichtige und häufige Komorbidität bei jugendlicher Anorexia Nervosa sind. Dies sollte auch bei der Therapieplanung berücksichtigt werden.

 

  1. Gastrointestinale Beschwerden und Essstörungspsychopathologie bei Patientinnen mit Anorexia nervosa im stationären Setting

Andrea Schneider et al.

 

Gastrointestinale Beschwerden sind ein häufig berichtetes Symptom bei Patient:innen mit Anorexia nervosa und können die Gewichtsrestitution erheblich erschweren. Die Patient:innen klagen vermehrt über Symptome wie Blähungen, Bauchschmerzen und Obstipation, sowohl in der Phase der Mangelernährung als auch der Gewichtszunahme. Bisher haben diese Beschwerden bei Patient:innen mit Anorexia nervosa jedoch relativ wenig Beachtung gefunden. Die folgende Untersuchung ist Teil einer laufenden randomisiert kontrollierten Längsschnittstudie zu den Effekten von Probiotikagabe auf das Darmmikrobiom bei Jugendlichen mit Anorexia nervosa. Ziel dieser Untersuchung ist es, mögliche Beziehungen zwischen gastrointestinalen Beschwerden und der Essstörungspsychopathologie sowie des Body-Mass-Index (BMI) bei Patient:innen mit Anorexia nervosa zu beleuchten. Dazu wurden Essstörungssymptome (Eating Disorder Examination, Eating Disorder Inventory), gastrointestinale Beschwerden (Gastro-Fragebogen) und der BMI zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme, bei der Entlassung und nach 6 Monaten erhoben. Insgesamt wurden 53 Patientinnen im Alter zwischen 12 und 19, die an einem Vollbild der Anorexia nervosa oder atypischer Anorexia nervosa erkrankt sind und im Zuge dessen stationär aufgenommen wurden, eingeschlossen. Im stationären Setting erfolgte eine stufenweise Gewichtsrestitution anhand eines individuell zusammengestellten Ernährungsplans. Wir erwarten, dass eine stärkere Essstörungssymptomatik und ein niedriger BMI zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme mit stärkeren gastrointestinalen Beschwerden assoziiert sind. Zudem erwarten wir eine Reduzierung der gastrointestinalen Beschwerden zum Entlassungszeitpunkt und nach sechs Monaten verglichen mit dem Beginn der stationären Aufnahme. Zu Behandlungsbeginn waren bei Patient:innen mit schwerer Anorexia nervosa im Jugendalter gastrointestinale Symptome deutlich vorhanden. Die Gabe von Probiotika könnten dabei unterstützen, gastrointestinale Symptome im Zuge der Wiederernährung und Gewichtsrestitution zu verringern.

 

  1. Olanzapin bei Magersucht im Jugendalter: eine offene Beobachtungsstudie unter Einbeziehung Therapeutischen Drug Monitorings (TDM) zur Qualitätssicherung 

Andras Karwautz et al.

 

Hintergrund: Die Behandlung von Magersucht stellt eine große Herausforderung für die Betroffenen und ihre Behandler dar. Neben den zentralen Ansätzen multimodaler Settings und spezialisierter psychotherapeutischer Arbeit sind auch psychopharmakologische Begleitbehandlungen eine potentiell wirksame ergänzende Maßnahme. Dabei spielt am ehesten Olanzapin eine Rolle, für das es zwar weder für die Diagnose noch für das Alter weltweit eine Zulassung gibt, wodurch individuelle Heilversuche notwendig sind, das aber am besten studiert ist. Die bisherigen Studien ergeben widersprüchliche Ergebnisse bzgl. der Wirksamkeit auf BMI und Klinik. Beim Einsatz von Olanzapin im Off-label-Bereich ist daher aus rechtlichen und Gründen der Qualitätssicherung im Jugendalter sinnvollerweise mittels TDM abzusichern. Das soll in unserer Studie erstmals erfolgen. Methoden und TeilnehmerInnen: Wir gaben 65 akut erkrankten jugendlichen (10-18 Jahre alt) Patientinnen mit Anorexia nervosa (98% weiblich; 97% AN-R) im stationären Setting Olanzapin und untersuchten Korrelationen zwischen Dosierung und Blut-Serumspiegel, unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAWs) und die Effektivität bzgl. der Entwicklung des Körpergewichts und des klinischen Zustands. TDM wurde gemäß der AGNP-Richtlinien durchgeführt. Ergebnisse: Dosis und Dosis-Blutspiegelkorrelationen: Die mittlere Dosis von Olanzapin war 8.15 (SD 2.91) mg und 0.63 (SD 0.31) mg pro kg, die Konzentration war 26.57 (SD 13.46) ng/ml. Die Korrelation zwischen der täglichen Dosis und dem Blutspiegel war 0.72 (**p<.01), der von Dosis pro kg und Blutspiegel war .951 (**p<.01). UAWs: Keine UAWs wurden bei 14.3%, UAWs ohne Beeinträchtigung bei 79.4% und UAWs, die zu Beeinträchtigungen führten bei 6.3% erfasst. 93.7% der PatientInnen hatten also keine relevanten NW. Klinik und BMI: 75% der Patientinnen verbesserten sich klinisch (CGI).  Der BMI stieg signifikant (t=10.6, p<.001) von 14.61 (SD 1.6) auf 16.09 (SD 1.6). Olanzapin, in den Händen von Kinder- und Jugendpsychiatern und/oder Essstörungsspezialisten ist ein gut toleriertes und sicheres Medikament, das positive Effekte auf die Entwicklung von Körpergewicht und Klinik von jugendlichen PatientInnen mit Magersucht haben kann. Die verordnete Dosierung korreliert gut mit dem gemessenen Blutspiegel in dieser sensiblen Population.

 

 


EUROPEAN CHAPTER DER ACADEMY FOR EATING DISORDERS

 

KEY NOTE SPEAKER

 

Prof. Dr. Jennifer Thomas, FAED (USA; AED President)

Dr. Jennifer Thomas ist Co-Direktorin des klinischen Forschungsprogramms für Essstörungen am Massachusetts General Hospital und außerordentliche Professorin für Psychologie an der Fakultät für Psychiatrie der Harvard Medical School. Dr. Thomas Forschung konzentriert sich auf die vermeidende/ restriktive Störung der Nahrungsaufnahme und andere atypische Essstörungen, wie sie in ihren Büchern “Almost Anorexic: Is My (or My Loved One’s) Relationship with Food a Problem?”; “Cognitive-Behavioral Therapy for Avoidant/Restrictive Food Intake Disorder: Children, Adolescents, and Adults”; und “The Picky Eater’s Recovery Book: Overcoming Avoidant/Restrictive Food Intake Disorder” beschrieben sind. Derzeit leitet sie mehrere Studien, welche die Neurobiologie und Behandlung der vermeidenden/ restriktiven Essstörung untersuchen. Ebenfalls werden die Studien vom U.S. National Institute of Mental Health und privaten Stiftungen finanziert. Dr. Thomas ist Autorin und Mitautorin von mehr als 160 wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Sie ist die derzeitige Präsidentin der Academy for Eating Disorders und hat vor kurzem eine fünfjährige Amtszeit als Associate Editor für das International Journal of Eating Disorders abgeschlossen

 

VORTRÄGE

 

Prof. Dr. Emilia Manzato (Italy)

Hidden and lesser known disordered eating behaviours in medical and psychiatric conditions

Very little is known about the epidemiology, characteristics, prevalence and correlates of certain hidden and lesser-known eating-related disorders. Eating Disorders (EDs) and eating-related disorders include a very heterogeneous group of syndromes and symptoms characterized by abnormal eating and weight control behavior which may appear in all genders and ages.

From clinical point of view  these disorders  are characterized by abnormal and persistent eating and weight control behaviour but they do not fit the stereotype of Feeding and Eating Disorders as classified in DSM5. For this reason we could call these disorders as « hidden and lesser known eating disorders» (LKEDs) The risk of underestimation is high for the LKEDs because  their symptoms  could be  often  hidden by the main pathology.

LKEDs can lead to high rates of morbidity and mortality, especially if they are misjudged and untreated.  

In my presentation I will explore some LKEDs to improve the interest and the knowledge of LKEDs to enhance the clinical ability to diagnose the hidden and uncommon EDs early. Furthermore, DSM-5 and ICD-11 list an increasing number of psychiatric diagnostic categories and treat them as morbid entities separated. The critique of current psychiatric classifications and diagnostic crystallizations has led toward a “transdiagnostic view”. The purpose of my presentation is also to widen the angle of view on disturbed eating behavior supporting the “transdiagnostic paradigm” focused on the evolution of pathological phenomena observed during the same individual’s lifetime.

 

Prof. Dr. Umberto Nizzoli (Italy; President European Chapter)

Food and Addiction

The construct of Addiction, despite an overwhelming literature, is still controversial. Its implications are pervasive. For this reason, various descriptions and theories have followed on the subject of pathological dependence, addiction. Although it is not accepted within the DSM-5, because it is considered not sufficiently supported by research evidence, it is too polluted by its media use, the practical use of the term Addiction is found more and more frequently in theses, publications, titles and reports. For a long time the terms drug dependence have been used and subsequently often replaced by pathological dependence; Drug Abuse or Substance Abuse or Dependence, again in DSM IV to switch to Drug Related Disorders and Addictive Disorders in DSM-5. Along this speech we will face the complication of the Addiction construct emphasizing the importance of craving because its construct craving appears central/crucial.

The relationship between eating disorders (ED) and substance use disorders (SUD) is one of the many possible comorbidities, although many times underestimated and insufficiently investigated in clinical practice even if the presence of substance use disorders in people with ED and vice versa is significant. Food and Addiction records the concomitance of the presence of these two diagnostic categories. The “double diagnosis” of both is more frequently combined with personality disorder (mainly borderline personality disorder). ED and SUD have various similarities: neuro-biological, emotional and behavioural mechanisms seem to bring them together. The disease histories must clarify which of the two disorders arose first or whether the onset is contemporary. In one clinical area as in the other, disorders are often underestimated.

Finally, between both Addiction and ED emerges Food Addiction (originally coined in 1956 by Randolph). The last part of this presentation highlights the concept of food addiction and its clinical manifestations.

 

Dr. Jacinta Tan (UK)
Ethical issues in the treatment of eating disorders

The treatment of eating disorders can raise all sorts of ethical issues. It is absolutely crucial that all eating disorder clinicians understand the range and nature of these ethical issues. This brief talk will give an overview of these issues, and will seek to explain the relevance of ethics to our routine clinical care. An understanding of these ethical issues is important to being able to judge the best way to deliver evidence based treatment in a thoughtful, empathic way which meets the needs of patients and families as well as respecting their autonomy, dignity, and human rights.

 

Zur Person:

Dr. Jancinta Tan ist als beratende Psychiaterin für Essstörungen bei Kindern und Jugendliche am Oxford Health NHS Foundation Trust und Senior Clinical Research Fellow am NIHR Oxford Foundation Biomedical Research Centre sowie Honorary Senior Research Fellow an der University of Oxford tätig. Sie ist Wissenschaftlerin und Medizinethikerin, Mitglied des Royal College’s Professional Practice and Ethics Committee und bis vor kurzem walisische Vertreterin der Fakultät für Essstörungen des Royal College of Psychiatrists. 2018 hat sie den Eating Disorder Service Review der walisischen Regierung durchgeführt und gemeinsam mit zwei schottischen Kollegen den Eating Disorder Service Review der schottischen Regierung geleitet, welcher der schottischen Regierung im März 2021 vorgelegt wurde. Dr. Jancinta Tan wurde ebenfalls als eine der ’25 Women in the Royal College of Psychiatrists’ geehrt.

 

KEY NOTE
Prof. Dr. Jennifer Thomas, FAED (USA; AED President)

Advances in Avoidant/Restrictive Food Intake Disorder: From Mechanisms to Interventions

Since avoidant/restrictive food intake disorder was added to the diagnostic nomenclature 10 years ago, the field has learned a great deal about its clinical characteristics and underlying neurobiology. Neurobiological features are surprisingly consistent with patient subjective experience. Dr. Thomas will explore how we can leverage these emerging insights to inform the development of novel treatments, and highlight how intervening at the behavioral level may have mechanistic impacts on underlying neurobiology.

 

Prof. Dr. Ulrich Voderholzer (Germany)
Refeeding in severe adolescent and adult anorexia nervosa: new studies

Background: The standard care for refeeding inpatients with anorexia nervosa (AN), starting with low calories and advancing cautiously, is associated with slow weight gain and longer hospital stay. Studies from more recent years suggest that higher calorie refeeding improves outcome without increasing the risk for refeeding syndrome. However, most studies have been conducted in patients with moderately severe or severe anorexia nervosa, but not in patients with extremely severe anorexia nervosa. We report on 3 restrospective studies on different aspects of high calorie refeeding from the beginning in hospitalized patients with extreme anorexia nervosa.

Methods: Retrospective analysis of adult and adolescent inpatients admitted consecutively (n = 103 adult patients with AN, mean BMI 11.5 +/- 0.9; n = 120 adolescents, mean BMI 13.1 +/- 1.1 kg/m²). Additionally, we investigated the impact of high calorie refeeding in a third study (n = 51, mean BMI 12.63 +/- 1.01) on different psychometric measures. All samples consisted of consecutive admitted inpatients.

Results: Safety: In all three samples none of the patients showed a severe complication such as refeeding syndrome or had to be transferred to an intensive care unit. Weight gain: In all three samples rapid weight gain was obtained with a parallel improvement of a variety of abnormal lab values. Psychopathology: In the third study with monitoring of psychometric measures over 6 weeks, there was a significant decrease of depressive symptoms as well as a significant decrease of somatic complains, whereas eating disorders symptoms and compulsive exercise remained unchanged.

Conclusions: High calorie refeeding seems to be safe even in adult and adolescent patients with extreme underweight, when closely monitoring electrolytes. High calorie refeeding is associated with rapid weight gain and also improves depressive symptoms and somatic complaints.

Limitations: All studies were open and uncontrolled; since the patients were admitted consecutively, there is no selection bias. Early recommendations to start slowly with refeeding should be questioned also with regard to extreme underweight patients.