Internationaler Kongress Essstörungen 2022 & European Chapter der Academy for Eating Disorders Meeting, 21.-22.10.2022

 

Werte Damen und Herren!

 

Wir freuen uns, Ihnen unsere Hauptvorträge am internationalen Kongress Essstörungen inkl. dem European Chapter der AED Meeting in Alpbach vom 21-22. Oktober 2022 präsentieren zu dürfen und bedanken uns für die zahlreichen Einreichungen wissenschaftlicher Beiträge sowie Workshops. Die Rückmeldung zur Annahme Ihres Abstracts erfolgt bis spätestens Ende Juli.

 

Da wir unseren Kongress infolge der aktuell nicht planbaren „Reise-/Weltsituation“ im Herbst 2022 wieder hybrid durchführen, bevorzugen wir für Ihren Beitrag eine Live-Präsentation in Alpbach. Falls Ihre Anreise im Herbst aufgrund der „Welt-Situation“ oder aus anderen Gründen nicht möglich sein wird, unterstützen wir Sie natürlich bei der technischen Umsetzung als Online-Vortrag.

 

Aktuell erstellen wir für Sie ein spannendes Programm im Bereich Essstörungen und werden dies ab August hier veröffentlichen und freuen uns bereits jetzt auf Ihre Anmeldung zum Kongress.

 

Bitte kontaktieren Sie uns bei jeglichen Fragen telefonisch, oder per E-Mail.

 

Das Organisationskomitee des Verein Netzwerk Essstörungen

 



 

PROGRAMM-HIGHLIGHTS

 

 


Internationaler Kongress Essstörungen

 

KEYNOTE LECTURES

Prof. Dr. med. Martina de Zwaan

Welche Rolle spielt die psychische und körperliche Komorbidität in der Behandlung der Essstörungen

Prof Dr. med. Martina de Zwaan ist die Direktorin der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover. Sie promovierte 1986 zum Doktor der gesamten Heilkunde an der Universität Wien, absolvierte die Weiterbildung zur Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie sowie in kognitiver und Verhaltenstherapie in Wien. Ihren Werdegang eröffnete sie als Oberärztin am Psychosomatischen Krankenhaus Bad Bramstedt, um anschließend 1995 die Venia docendi für Psychiatrie an der Universität Wien zum Thema Binge-Eating-Störung zu erlangen. Danach wechselte sie bis 2003 als Oberärztin an die Psychiatrische Universitätsklinik Wien und bekleidete dazwischen eine Gastprofessur an der Division of Psychiatry and Behavioral Sciences, Department of Neuroscience, UND School of Medicine and Health Sciences in Fargo (North Dakota). Des weiteren leitete sie von 2003 bis 2011 die Psychosomatische und Psychotherapeutische Abteilung der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg. Ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen bei Essstörungen und Adipositas, Psychische Aspekte bei Adipositaschirurgie, Psychosomatik in der Transplantationsmedizin und Entwicklung und Validierung von Patient Reported Outcome Measures (PROMs)

 

Dr. Helga Simchen

Essstörungen bei AD(H)S

Dr. Helga Simchen ist Kinder- und Jugendärztin mit der Fachrichtung Neurologie und Psychiatrie im Kinder- und Jugendalter, Verhaltenstherapeutin, tiefenpsychologische Psychotherapie und Familientherapie arbeitete zunächst als Oberärztin in einer Kinderklinik, wechselte dann als Oberärztin an die Medizinische Akademie Magdeburg mit dem Lehrauftrag für Neurologie und Psychiatrie im Kindes- und Jugendalter sowie Rehabilitationspädagogik. Schwerpunkt ihrer wissenschaftlichen Arbeit waren das Hyperkinetische Syndrom und die Lese-Rechtschreibschwäche, hierbei arbeitete Sie eng mit dem Leibnitz-Institut, früher Hirnforschungs-Institut, zusammen. 1995 eröffnete Sie in Mainz ihre Praxis mit dem Schwerpunkt AD(H)S, Lern- und Verhaltensstörungen. Die Erfahrungen, die Sie in ihrer Praxis mit über 1000 Patienten gemacht hat, schrieb sie in mittlerweile 7 Büchern zu AD(H)S und seinen Komorbiditäten nieder.

 

Ricardo Dalle Grave M. D.

Kognitive Verhaltenstherapie für Jugendliche mit Essstörungen: Eine effektive Alternative zur familienbasierten Behandlung

Als Direktor des Department of Eating and Weight Disorders im Villa Garda Hospital in Verona in Italien hat Ricardo mit Christopher G. Fairburn von der Oxford University ein eigenes Behandlungsverfahren für stationär behandelte PatientInnen für Essstörungen entwickelt. Es beinhaltet ein für Jugendliche adaptiertes Programm, wobei sein Hauptfokus in der Forschung ist es die CBT-E bei der Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen mit Essstörungen liegt, die stark untergewichtig sind. Seine Projekte umfassen Präventionsarbeit für Essstörungen und Adipositas. Er wird regelmäßig für die Leitung von öffentlichen Workshops und Seminaren für klinische PsychologInnen, PsychiaterInnen, EndokrinologInnen, ChirurgInnen, ErnährungswissenschaftlerInnen und anderen GesundheitsexpertInnen über die Beschaffenheit und Behandlung von Adipositas und Essstörungen sowohl in Italien als auch auf der ganzen Welt. Dr. Dalle Grave ist Mitglied der CBT-E training group und wurde von Expertscape als Experte für Anorexia Nervosa ausgezeichnet. Zudem ist er Editor der CBT-E Website und Direktor des Italian Advanced Training Courses zur Behandlung und Prävention von Essstörungen und Adipositas, der KlinikärztInnen in der Kognitiven Verhaltenstherapie für Essstörungen und Adipositas ausbilden. Außerdem bietet er Expterten-CBT-E Supervision für klinische Dienste in Europa, den USA, Australien und im mittleren Osten. Er ist Fellow der Academy of Eating Disorders und ein Mitglied der Redaktionsleitung von sämtlichen Journals über Essstörungen.

 

Carine El Khazen
Essstörungen im Nahen Osten: Aktuelle Situation und Behandlungsherausforderungen

Carine el Khazen ist klinische Psychologin. Sie hat einen Master-Abschluss in klinischer und psychopathologischer Psychologie (USJ), einen Postgraduierten-Abschluss (DESS) in klinischer und psychopathologischer Psychologie (Universität Sorbonne) und ein Diplom in profunden Studien (DEA) in klinischer Psychopathologie (Universität Jussieu). Carine arbeitet seit 2004 als klinische Psychologin in Dubai, Vereinigte Arabische Emirate. Seit 2011 arbeitet sie am American Center for Psychiatry and Neurology (ACPN). Als Spezialistin für Ess- und Gewichtsstörungen hat sie das einzige spezialisierte multidisziplinäre ambulante Programm für Ess- und Gewichtsstörungen in der Region aufgebaut und leitet es. Carine ist CBT-E-Therapeutin, Trainerin und Supervisorin. Das Programm ist ein CBT-E-Kompetenzzentrum. Gemeinsam mit Dr. Riccardo Dalle Grave hat sie das erste Handbuch für Eltern von Jugendlichen, die mit CBT-E behandelt werden: “Cognitive Behaviour Therapy For Eating Disorders in Young People” (Kognitive Verhaltenstherapie für Essstörungen bei Jugendlichen), ein Leitfaden für Eltern, veröffentlicht bei Routledge Press. Carine ist auch die klinische Leiterin des psychologischen Dienstes des Zentrums. Carine ist Mitglied der Academy of Eating Disorders (AED) und stellvertretende Vorsitzende der Nichtregierungsorganisation MEEDA (Middle East Eating Disorders Association), die die AED im Nahen Osten vertritt. Sie beaufsichtigt und leitet alle täglichen Aktivitäten der Vereinigung, die sich der Bewusstseinsbildung, der Unterstützung von Betroffenen und der Schulung der allgemeinen Öffentlichkeit und von Fachleuten zum Thema Ess- und Gewichtsstörungen widmet.

 

SYMPOSIEN

 

SYMPOSIUM I


Diagnostik und Therapie der Anorexia nervosa im Jugendalter – neue Ergebnisse

Vorsitz: Univ.-Prof. Dr. Andreas Karwautz

 

Symposiums-Abstracts (4 Beiträge):

Anorexia nervosa ist eine vielschichtige psychische Erkrankung, bei der diverse somatische, psychologische und persönlichkeitsbezogene Aspekte in der Diagnostik und Therapie berücksichtigt werden müssen. Dieses Symposium beschäftigt sich daher im Besonderen mit Aspekten der Persönlichkeit und des Temperaments, sowie der gastrointestinalen Beschwerden bei Jugendlichen mit Magersucht und beleuchtet zudem die pharmakologische Behandlung mit Olanzapin.

Dunja Mairhofer, Wien berichtet neue Daten zu Temperaments- und Charakterfaktoren von PatientInnen mit Anorexia Nervosa und deren Eltern und diskutiert deren Einfluss auf den Behandlungserfolg. Clarissa Laczkovics, Wien stellt rezente epidemiologische Daten zu komorbiden Persönlichkeitsstörungen bei Jugendlichen mit Magersucht vor und diskutiert Zusammenhänge mit der Essstörungssymptomatik. Andrea Schneider, Wien beleuchtet die Art und das Ausmaß von gastrointestinalen Symptomen bei stationär aufgenommenen Patientinnen mit Anorexia nervosa, präsentiert neue Daten zur Veränderung dieser Symptomatik im Therapieverlauf und gibt einen Ausblick zu einer möglichen vielversprechenden Behandlungsoption mittels Probiotika. Andreas Karwautz berichtet rezente Daten zum Einsatz von Olanzapin bei Magersucht im Jugendalter und diskutiert dabei Aspekte der Sicherheit und Wirksamkeit.

 

1. Temperaments- und Charakterprofile von Jugendlichen mit Anorexia nervosa und deren Eltern
Dunja Mairhofer et al.

Kindliche und elterliche Persönlichkeitszüge werden in der Literatur als mögliche Faktoren für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Essstörungen diskutiert. Ziel dieser Studie war es, Persönlichkeitszüge von Jugendlichen mit Anorexia nervosa und deren Eltern zu identifizieren und Zusammenhänge mit der Schwere der Essstörungspathologie und dem Behandlungserfolg zu untersuchen. Bei 100 Jugendlichen mit Anorexia nervosa (11-17 Jahre, 88% restriktiver Subtyp) in stationärer Behandlung sowie 85 Müttern und 64 Vätern wurden verschiedene Temperaments- und Charaktereigenschaften erhoben (TCI, J-TCI). Die Essstörungspathologie des Kindes wurde mit dem Eating Disorder Examination Interview, den EDE-Q und EDI-2 Fragebögen sowie mit dem BMI erfasst. Die Patientinnen zeigten signifikant höhere Werte in den Faktoren Schadensvermeidung, Kooperativität und Beharrungsvermögen sowie niedrigere Werte beim Neugierstreben und der Selbstlenkungsfähigkeit. Ein mittels Custeranalyse identifiziertes “ungünstiges” Persönlichkeitsprofil war mit einer höheren Schweregrad der Essstörung sowie mit einer längeren stationären Aufenthaltsdauer assoziiert. Mütter zeigten eine signifikant niedrigeres Neugierstreben, Väter eine erhöhte Selbstlenkungsfähigkeit und niedere Kooperativität und Selbsttranstendenz. Korrelationen zwischen kindlichen und elterlichen Persönlichkeitszügen waren gering, jedoch höher zwischen Kind und Mutter als zwischen Kind und Vater. Es konnten nur schwache Zusammenhänge zwischen den elterlichen Temperaments- und Charakterfaktoren und der Essstörungspathologie des Kindes aufgezeigt werden. Eine profunde Persönlichkeitsdiagnostik bei Jugendlichen mit Anorexia nervosa kann einen Aufschluss über die Erkrankungsschwere und einen möglichen Behandlungsverlauf geben. Für Patientinnen mit einem „ungünstigen“ Persönlichkeitsprofil sind daher intensivere, an das Persönlichkeitsprofil adaptierte, therapeutische Maßnahmen notwendig, um das Risiko für einen chronischen Verlauf oder Rückfällen zu reduzieren.

 

2. Komorbide Persönlichkeitsstörung bei jugendlichen Patientinnen mit Anorexia Nervosa
Clarissa Laczkovics et al.

Anorexia Nervosa ist eine schwerwiegende psychiatrische Erkrankung multifaktorieller Genese, die in vielen Fällen einen chronischen Verlauf zeigt. Ein erster Erkrankungsgipfel zeigt sich im Jugendalter. Als Risikofaktoren gelten dabei spezifische Persönlichkeitsmerkmale, wie zum Beispiel zwanghaft perfektionistische Züge, die auch als aufrechterhaltende Faktoren gelten. Welche Rolle eine komorbide Persönlichkeitsstörung für die Erkrankung spielt ist bei Jugendlichen noch kaum untersucht. Wir schlossen 73 jugendliche Patientinnen mit einer Anorexia Nervosa in die Studie ein. Mit allen Patientinnen wurde zusätzlich zur essstörungsspezifischen Diagnostik (Eating Disorder Inventory 2- EDI-2) ein Interview zur Diagnose der Persönlichkeitsstörung (International Personality Disorder Examination- IPDE) geführt. Es zeigte sich, dass fast ein Drittel (27,4%) der Patientinnen eine komorbide Persönlichkeitsstörung hatten. Diese Patientinnen zeigten schwerwiegendere Essstörungssymptome im Sinne eines höheren EDI-2 Total Scores. Insbesondere bezüglich der Untergruppen „Ineffektivität“, „Misstrauen“, „interozeptives Bewusstsein“, „Asketismus“ und „Impulsregulation“ zeigten sich höhere Werte bei Patientinnen mit Persönlichkeitsstörungen. Wir schlussfolgerten, dass Persönlichkeitsstörungen eine wichtige und häufige Komorbidität bei jugendlicher Anorexia Nervosa sind. Dies sollte auch bei der Therapieplanung berücksichtigt werden.

 

3. Gastrointestinale Beschwerden und Essstörungspsychopathologie bei Patientinnen mit Anorexia nervosa im stationären Setting
Andrea Schneider et al.

Gastrointestinale Beschwerden sind ein häufig berichtetes Symptom bei Patient:innen mit Anorexia nervosa und können die Gewichtsrestitution erheblich erschweren. Die Patient:innen klagen vermehrt über Symptome wie Blähungen, Bauchschmerzen und Obstipation, sowohl in der Phase der Mangelernährung als auch der Gewichtszunahme. Bisher haben diese Beschwerden bei Patient:innen mit Anorexia nervosa jedoch relativ wenig Beachtung gefunden. Die folgende Untersuchung ist Teil einer laufenden randomisiert kontrollierten Längsschnittstudie zu den Effekten von Probiotikagabe auf das Darmmikrobiom bei Jugendlichen mit Anorexia nervosa. Ziel dieser Untersuchung ist es, mögliche Beziehungen zwischen gastrointestinalen Beschwerden und der Essstörungspsychopathologie sowie des Body-Mass-Index (BMI) bei Patient:innen mit Anorexia nervosa zu beleuchten. Dazu wurden Essstörungssymptome (Eating Disorder Examination, Eating Disorder Inventory), gastrointestinale Beschwerden (Gastro-Fragebogen) und der BMI zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme, bei der Entlassung und nach 6 Monaten erhoben. Insgesamt wurden 53 Patientinnen im Alter zwischen 12 und 19, die an einem Vollbild der Anorexia nervosa oder atypischer Anorexia nervosa erkrankt sind und im Zuge dessen stationär aufgenommen wurden, eingeschlossen. Im stationären Setting erfolgte eine stufenweise Gewichtsrestitution anhand eines individuell zusammengestellten Ernährungsplans. Wir erwarten, dass eine stärkere Essstörungssymptomatik und ein niedriger BMI zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme mit stärkeren gastrointestinalen Beschwerden assoziiert sind. Zudem erwarten wir eine Reduzierung der gastrointestinalen Beschwerden zum Entlassungszeitpunkt und nach sechs Monaten verglichen mit dem Beginn der stationären Aufnahme. Zu Behandlungsbeginn waren bei Patient:innen mit schwerer Anorexia nervosa im Jugendalter gastrointestinale Symptome deutlich vorhanden. Die Gabe von Probiotika könnten dabei unterstützen, gastrointestinale Symptome im Zuge der Wiederernährung und Gewichtsrestitution zu verringern.

 

4. Olanzapin bei Magersucht im Jugendalter: eine offene Beobachtungsstudie unter Einbeziehung Therapeutischen Drug Monitorings (TDM) zur Qualitätssicherung

Andras Karwautz et al.

Hintergrund: Die Behandlung von Magersucht stellt eine große Herausforderung für die Betroffenen und ihre Behandler dar. Neben den zentralen Ansätzen multimodaler Settings und spezialisierter psychotherapeutischer Arbeit sind auch psychopharmakologische Begleitbehandlungen eine potentiell wirksame ergänzende Maßnahme. Dabei spielt am ehesten Olanzapin eine Rolle, für das es zwar weder für die Diagnose noch für das Alter weltweit eine Zulassung gibt, wodurch individuelle Heilversuche notwendig sind, das aber am besten studiert ist. Die bisherigen Studien ergeben widersprüchliche Ergebnisse bzgl. der Wirksamkeit auf BMI und Klinik. Beim Einsatz von Olanzapin im Off-label-Bereich ist daher aus rechtlichen und Gründen der Qualitätssicherung im Jugendalter sinnvollerweise mittels TDM abzusichern. Das soll in unserer Studie erstmals erfolgen. Methoden und TeilnehmerInnen: Wir gaben 65 akut erkrankten jugendlichen (10-18 Jahre alt) Patientinnen mit Anorexia nervosa (98% weiblich; 97% AN-R) im stationären Setting Olanzapin und untersuchten Korrelationen zwischen Dosierung und Blut-Serumspiegel, unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAWs) und die Effektivität bzgl. der Entwicklung des Körpergewichts und des klinischen Zustands. TDM wurde gemäß der AGNP-Richtlinien durchgeführt. Ergebnisse: Dosis und Dosis-Blutspiegelkorrelationen: Die mittlere Dosis von Olanzapin war 8.15 (SD 2.91) mg und 0.63 (SD 0.31) mg pro kg, die Konzentration war 26.57 (SD 13.46) ng/ml. Die Korrelation zwischen der täglichen Dosis und dem Blutspiegel war 0.72 (**p<.01), der von Dosis pro kg und Blutspiegel war .951 (**p<.01). UAWs: Keine UAWs wurden bei 14.3%, UAWs ohne Beeinträchtigung bei 79.4% und UAWs, die zu Beeinträchtigungen führten bei 6.3% erfasst. 93.7% der PatientInnen hatten also keine relevanten NW. Klinik und BMI: 75% der Patientinnen verbesserten sich klinisch (CGI).  Der BMI stieg signifikant (t=10.6, p<.001) von 14.61 (SD 1.6) auf 16.09 (SD 1.6). Olanzapin, in den Händen von Kinder- und Jugendpsychiatern und/oder Essstörungsspezialisten ist ein gut toleriertes und sicheres Medikament, das positive Effekte auf die Entwicklung von Körpergewicht und Klinik von jugendlichen PatientInnen mit Magersucht haben kann. Die verordnete Dosierung korreliert gut mit dem gemessenen Blutspiegel in dieser sensiblen Population.

 

SYMPOSIUM II

 

Innovative Interventionen für Jugendliche und junge Erwachsene mit Essstörungen und deren Eltern

Vorsitz: Assoc.-Prof. PD Mag. Dr. Gudrun Wagner

 

Symposiums-Abstracts (4 Beiträge):

Trotz oftmals sehr intensiver medizinischer und therapeutischer Maßnahmen zählen Essstörungen zu den am schwersten behandelbaren psychischen Erkrankungen mit einer langen Krankheitsdauer und hoher Rückfallgefahr. Innovative Interventionen, die auf die Bedürfnisse der Betroffenen abgestimmt sind und auch das familiäre Umfeld miteinbeziehen, sind daher gefragt, um das Behandlungs-Outcome längerfristig positiv zu beeinflussen. Dieses Symposium beschäftigt sich daher mit neuen Therapieansätzen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Essstörungen, sowie mit Interventionen für Eltern von Betroffenen. 

Tanja Wittek, Wien stellt erstmals Ergebnisse des ambulanten Therapieprogramm „MANTRa“ für Jugendliche und junge Erwachsene mit Magersucht vor und diskutiert dessen Wirksamkeit und Akzeptanz im Vergleich zu anderen Therapieansätzen. Julia Philipp, Wienberichtet neue Daten zur Akzeptanz und Zufriedenheit des „SUCCEAT“-Elterntrainings-Programms und beleuchtet dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede verschiedener Implementierungsformen (Face-to-Face Workshops, Online-Module, Videokonferenzen). Michael Zeiler, Wien diskutiert insbesondere Belastungsfaktoren der Väter von Jugendlichen mit Anorexia nervosa und präsentiert Ergebnisse aus einer psychologischen Netzwerkanalyse zu zentralen Belastungsfaktoren von Müttern und Vätern, die in Elterntrainings einen wichtigsten Stellenwert einnehmen sollten. Hartmut Imgart, Bad Wildungen stellt den Einsatz von EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) bei PatientInnen mit Essstörungen zur Aufdeckung und Behandlung von (potenziell) traumatischen Erfahrungen vor und präsentiert Daten zur Wirksamkeit dieser Methode.

 

1. Wie wirksam ist MANTRa im Vergleich zu traditionellen Therapieansätzen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Anorexia nervosa

Tanja Wittek et al.

 

Das MANTRa Therapieprogramm (Maudsley Model of Anorexia Nervosa Treatment for Adolescents and young Adults) ist ein spezialisiertes Behandlungskonzept zur Behandlung der Anorexia nervosa im Kindes- und Jugendalter. Das Ziel dieser Studie war die Erforschung der Effektivität des MANTRa Programms im Vergleich zu etablierten, psychotherapeutischen Methoden. Insgesamt nahmen 45 weibliche Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 13 bis 21 Jahren am MANTRa Therapieprogramm teil. Sie wurden mit 47 Teilnehmerinnen verglichen, die eine in Österreich anerkannte Standardtherapie erhielten. Zur Erhebung der Essstörungs- und komorbiden Symptomatik wurde zu 4 Zeitpunkten (zu Beginn, nach 6, nach 12 und nach 18 Monaten) der BMI erhoben, ein Experteninterview (EDE) durchgeführt sowie das Eating Disorder Inventory (EDI-2), das Beck-Depressionsinventar sowie das Inventar zur Erfassung der Lebensqualität bei Kindern und Jugendlichen (ILK) vorgegeben. Zusätzlich wurde die therapeutische Beziehung anhand des Fragebogens zur Therapeutischen Beziehung für Kinder und Jugendliche (FTB-KJ) während der Therapie eingeschätzt. Die statistische Analyse zeigt eine signifikante Verbesserung der Essstörungssymptomatik (p<.001) und Depressivität (p=.039) sowie eine Zunahme an Lebensqualität (p=.024) in der MANTRa Gruppe. Die Effekte lagen im mittleren bis hohen Bereich. Im Vergleich zur Kontrollgruppe lässt sich eine deutliche Tendenz erkennen, dass MANTRa den derzeit etablierten Standardbehandlungen im Hinblick auf BMI-Zuwachs und Reduzierung der Essstörungssymptomatik leicht überlegen ist – vor allem in Bezug auf die längerfristige Wirksamkeit (p=.013). Dafür ausschlaggebend könnte die in der MANTRa Gruppe als besser eingeschätzte therapeutische Beziehung sein.  Zusammenfassend liegt mit MANTRa ein erfolgversprechender therapeutischer Ansatz vor, der die Behandlung von schwer erkrankten Jugendlichen mit einer Anorexie zukünftig verbessern kann. 

 

2. Workshop, Online oder Videokonferenzen? Akzeptanz und Zufriedenheit von unterschiedlichen Darbietungsformen für SUCCEAT (Programm zur Unterstützung der Eltern von Jugendlichen mit Anorexia nervosa)

Julia Philipp et al.

 

Das Programm „SUCCEAT“ hat das Ziel, Belastungen der Eltern von Jugendlichen mit Magersucht zu verringern und die familiäre Kommunikation zu verbessern. Das Programm wurde Face-to-Face (Workshops), über eine Webseite (online) oder während der COVID-19 Pandemie über Videokonferenz angeboten. Es wurde bereits gezeigt, dass sich SUCCEAT unabhängig von der Darbietungsform (Workshop vs. Online) nachhaltig positiv auf das Outcome der Eltern und Jugendlichen auswirkt. Für die Einbettung in die Routineversorgung ist es zudem sinnvoll, Unterschiede bezüglich Akzeptanz und Zufriedenheit zu beleuchten. Die Adhärenz war für die Workshop- und Online Versionen vergleichbar. Eltern der Workshop-Gruppe hatten häufiger Kontakt mit anderen Eltern, sowie den Coaches. In beiden Gruppen nutzen über 90% die Materialien auch nach einem Jahr. Übungen wurden in der Workshop-Gruppe häufiger gemacht als in der Online-Gruppe (95% vs. 60%). Sehr zufrieden mit SUCCEAT waren 98% der Eltern im Workshop und 82% der Eltern online. Die Inhalte wurden im Workshop verständlicher und hilfreicher bewertet. Nur 3% der Eltern der Workshop-Gruppe, aber 30% der Online-Gruppe, hätten die andere Darbietungsform bevorzugt. Das unter der Pandemie angebotene Videokonferenz-Format beurteilen rund 90% der Eltern als eher oder sehr gut, wobei ca. die Hälfte Face-to-Face Workshops präferiert hätten. Rund 80% der Eltern meinten, dass auch die praktischen Übungen im Videokonferenzformat eher oder sehr gut umsetzt werden konnten. Die Interventionseffekte waren mit jenen des Workshop- und Online-Formats vergleichbar. Diese aktuellen Daten zeigen, dass die Effekte von „SUCCEAT“ weitgehend unabhängig von der Implementierungsmodalität sind. Unterschiede in der Akzeptanz und Zufriedenheit der Darbietungsformate sollten allerdings beachtet werden.

 

3. Und was ist mit den Vätern? Elterliche Belastung und Effekte eines Angehörigenprogramms bei Jugendlichen mit Anorexia nervosa

Michael Zeiler et al.

 

Seit jeher sind Väter in der Forschung zur Wirksamkeit von Angehörigenprogrammen bei psychischen Erkrankungen unterrepräsentiert, das gilt im Besonderen auch für den Bereich der Essstörungen. Väter nehmen tendenziell weniger häufig an solchen Programmen teil oder werden weniger oft in Evaluierungsstudien einbezogen. Es ist aber evident, dass die Qualität der Beziehung des Kindes mit beiden Elternteilen eine wesentliche Rolle in der Aufrechterhaltung bzw. Genesung spielt. In den letzten Jahren konnten auch vermehrt Väter dazu motiviert werden am 8-wöchigen Angehörigentraining für Eltern von Jugendlichen mit Anorexia Nervosa („SUCCEAT“) an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Medizinischen Universität Wien teilzunehmen. Bis dato haben rund 300 Elternteile „SUCCEAT“ absolviert, davon ca. 100 Väter. Mütter berichten über eine signifikant höhere psychische Belastung (inkl. Depressivität, Ängstlichkeit, essstörungsspezifische Belastung), sowie über eine höhere emotionale Involviertheit als Väter. Väter hingegen schätzten die eigenen Fähigkeiten hinsichtlich der Selbstfürsorge oder Akzeptanz der Erkrankung des Kindes signifikant besser ein. Die vorliegenden Daten sprechen dafür, dass sowohl Mütter als auch Väter gleichermaßen von der Angehörigenintervention im Sinne einer Steigerung der Fähigkeiten im Umgang mit der Erkrankung des Kindes und einer Reduzierung von Belastung profitieren. Erste Erkenntnisse aus einer psychologischen Netzwerkanalyse von verschiedenen Belastungsfaktoren bei Müttern und Vätern weisen darauf hin, dass insbesondere High-Expressed Emotion (Kritik, emotionale Überinvolviertheit) und Aspekte der Selbstfürsorge (bei Vätern) und Depressivität (bei Müttern) zentrale Faktoren darstellen, auf die ein Fokus in der Angehörigenarbeit gelegt werden sollte.

 

4. Der Einsatz von EMDR bei Patient:innen mit Essstörungen

Hartmut Imgart et al.

 

Die Wirksamkeit von EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) in der Behandlung einer PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) ist nachgewiesen. Die Anwendung von EMDR bei anderen psychischen Störungen ist zwar verbreitet, aber mit noch geringer Evidenz. Die Anwendungen des EMDR bei Essstörungen ist bisher kaum publiziert worden. Aus theoretischen Erwägungen könnte EMDR in der Behandlung von Essstörungen hilfreich sein. Da Probleme mit der Emotionsregulation ein aufrechterhaltender Faktor für Essstörungen sind, könnte EMDR als stark emotionszentriertes Verfahren die derzeitige Behandlungslücke in diesem Bereich schließen. Nach unserer Erfahrung unterscheiden sich jedoch die Behandlung von EMDR von Patienten mit einer Anorexia nervosa grundsätzlich von der Behandlung von Patienten mit einer PTBS. Wir haben daher ein eigenes EMDR-Protokoll für die Behandlung von Essstörungen entwickelt (EMDR-ED). Dieses Protokoll wird vorgestellt und erläutert und ist die Grundlage für eine geplante Anwendungsstudie.

 


EUROPEAN CHAPTER DER ACADEMY FOR EATING DISORDERS

 

KEY NOTE SPEAKER

 

Prof. Dr. Jennifer Thomas, FAED (USA; AED President)

 

 

VORTRÄGE

 

Prof. Dr. Emilia Manzato (Italy)
Hidden and lesser known disordered eating behaviours in medical and psychiatric conditions

 

Prof. Dr. Umberto Nizzoli (Italy; President European Chapter)

 

Dr. Jacinta Tan (UK)
Ethical issues in the treatment of eating disorders

 

Prof. Dr. Ulrich Voderholzer (Germany)
Refeeding in severe adolescent and adult anorexia nervosa: new studies

 

 


 

ZUR KONGRESS-ANMELDUNG

 

Hier können Sie sich als Mitglied beim Netzwerk Essstörungen anmelden und von Vergünstigungen bei der Kongressgebühr profitieren: Anmeldung zur Mitgliedschaft beim Netzwerk Essstörungen

 

Preisliste Kongress 2022

 

 

ORGANISATORISCHER ABLAUF

Das Programm des 29. Kongress Essstörungen inkl. dem European Chapter der Academy for Eating Disorders Meeting am Freitag von 9-18 Uhr und am Samstag von 9-16 Uhr wird ab August 2022 auf unserer Webseite veröffentlicht.

 

Ab diesem Zeitpunkt beantragen wir für unsere Teilnehmer:innen die Fortbildungspunkte bei der Österreichischen Ärztekammer und dem Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen, wobei die genaue Information zur Anzahl der Fortbildungspunkte ab Anfang September 2022 verfügbar sein wird.

 

Zur Information teilen wir Ihnen mit, dass der 28. Internationale Kongress Essstörungen 2021 beim BÖP mit 16 Fortbildungseinheiten und bei der österreichischen Ärztekammer mit 18 Punkte für das ÖÄK Fortbildungsdiplom approbiert wurde.

 

Für alle Rückfragen wenden Sie sich bitte an info@netzwerk-essstoerungen.at.

 

Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme und auf Ihre Anmeldung / Einreichung eines Abstracts und hoffen auf ein Wiedersehen in Alpbach.

 

 

Wissenschaftliche Leitung

 

Univ.-Prof. Dr. Gerhard Schüßler
Medizinische Universität Innsbruck

 

 

Wissenschaftliche Co-Leitung

 

Univ. Prof. Dr. Ursula Bailer
Univ. of California, San Diego, USA; Vizepräsidentin der ÖGES; Past president der AED

 

Univ. Prof. Dr. med. Andreas Karwautz
Medizinische Universität Wien; Vizepräsident der ÖGES

Prof.(FH) Dr. Karin Waldherr
Ferdinand Porsche FernFH; Präsidentin der ÖGES

Kongressorganisation

 

Angelika Appelt MMSc, Daniel Purtscheller MSc und Katrin Preuner MSc BSc

 

Netzwerk Essstörungen
Templstrasse 22
A-6020 Innsbruck, Österreich
T +43-512-57 60 26
F +43-512-58 36 54
info@netzwerk-essstoerungen.at
www.netzwerk-essstoerungen.at

 

In Zusammenarbeit mit:

Österreichische Gesellschaft für Essstörungen (ÖGES)

Medizinische Universität Innsbruck